• Marco Schütte

Wildtierfotografie (Wildlife) mit der Fujifilm X. Vom Canon EF 500/4 zum Fujifilm XF 100-400.



Waldkauz, Vogel des Jahres 2017, in herbstlicher Linde. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 400 mm, 1/125 sek, f 5.6, ISO 2500, Freihand

Das Fuji X System bereichert meine Art & Weise der Wildtierfotografie.

Seit ca. 30 Jahren fasziniert mich die Wildtierfotografie. Angefangen hat alles mit einer Minolta Spiegelreflexkamera in Kombination mit einem 400 mm Novoflex Schnellschussobjektiv. Wer dieses Objektiv nicht kennt, sollte einmal Google um eine Beschreibung bemühen. Optisch ähnelt es eher einem Schnellfeuergewehr, doch das gewöhnungsbedürftige Design erfüllt seinen Zweck: anhand eines handlichen Pistolengriff lässt es sich schnell und relativ präzise scharf stellen. Die optische Qualität kann ebenfalls überzeugen, auch an der Fuji X macht es keine schlechte Figur. Nachteilig wirken sich jedoch die geringe Lichtstärke und die extreme Länge aus.


Rotfuchs. Fujifilm X E-1 mit Novoflex 400 mm Schnellschussobjektiv, 1/15 sek, f 5.6, ISO 3200, Bohnensack

Anfang der 90er Jahre stieg ich auf Canon um. Das Novoflex blieb bis Anfang des neuen Jahrtausend mein treuer Begleiter. Dann folgte mit einer Canon EOS 10D der Umstieg auf Digital und ich erwarb ein gebrauchtes Canon EF 500/4. Für mich erfüllte sich ein lang gehegter Traum und der Aufstieg in die Champions League der Wildtierfotografie. Das Canon EF 500/4 war bis vor wenigen Monaten mein meistbenutztes und bevorzugtes Objektiv für die Wildtierfotografie.

Das änderte sich schlagartig, als Fuji im Frühjahr 2016 sein lang angekündigtes Fuji XF 100-400 mm auf den Markt brachte. Vom ersten Augenblick der Ankündigung an freute ich mich auf dieses neue Objektiv. Das Fuji X System hatte mich bereits in der Portraitfotografie überzeugt, wie würde es sich in der Wildtierfotografie schlagen? Das ausschlaggebende persönliche Argument für den Erwerb des XF 100-400 mm war die Größe und damit einhergehende Portabilität. Es schienen sich ganz neue Möglichkeiten der Wildtierfotografie zu eröffnen. An all den Orten, wo das Canon 500/4 bislang zu klobig, auffällig und schwer für einen erfolgsversprechenden Einsatz war, konnte ich nun meine Fuji Kombination als quasi "Immer-dabei-Wiltierkamera" mitführen. Als Freund der Berge sparte ich mir augenblicklich etliche Kilo im Rucksack. Aber kann das Objektiv auch von der optischen Qualität her überzeugen: ja, es kann!


Zwei Rehböcke im Bast. Mein erstes "richtiges" Bild im Außeneinsatz mit dem neuen Objektiv: Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 400mm, 1/60 sek, f 5.6, ISO 2000, Freihand

Dennoch gestalteten sich die ersten Gehversuche holprig. Ein Manko gegenüber der Canon ist die Präzision und Schnelligkeit des Autofokus. Hier hat Fuji mit den neuen Kameras und Firmwareupgrades zwar deutlich aufgeholt, kommt aber an meine alte Canon 1D Mk IV (noch) nicht heran. Mit ein wenig Übung lassen sich kleine Schärfepunkt-Korrekturen aber Dank der "Fokussierhilfe" schnell und unkompliziert bewerkstelligen.


Alpensteinbock. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 203 mm, 1/2200 sek, f 5.6, ISO 400, Freihand

Die Schärfeleistung des Objektivs ist sehr hoch und schlägt das vergleichbare EF 100-400 I von Canon deutlich. Die Schärfe nimmt allerdings mit ansteigender Brennweite, wie bei einem Zoomobjektiv üblich, ein wenig ab. Sobald man bei 400 mm mindestens eine Stufe abblendet (auf f 8), erhält man dagegen äußerst scharfe Bilder.


Alte Gamsgeiß. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 211 mm, 1/210 sek, f 5.6, ISO 200, Freihand


Junger Rothirsch. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 261 mm, 1/125 sek, f 5.6, ISO 2000, Bohnensack

Dem Betrachter meiner hiesigen Bilder wird aufgefallen sein, dass die Mehrzahl mit freier Hand entstanden ist. Die Portabilität einer Fuji X Kamera in Verbindung mit dem optischen Bildstabilisator des XF 100-400 ist m.E. die größte Stärke dieser Kombination im direkten Vergleich zu meiner Canon. Wer schon einmal mit einem Canon 500/4 oder ähnlichem Objektiv versucht hat Freihand zu fotografieren, weiß wovon ich spreche. Verdammt hoch ist der Ausschuss wegen Verwacklungsunschärfe. Nicht so mit dem Fuji XF 100-400. Hier sind Freihand scharfe Bilder mit über 1/60 Sekunde möglich. Ich persönlich versuche allerdings die 1/60 Sekunde nicht zu Überscheiten und fotografiere bei solchen Verschlusszeiten im "Dauerfeuermodus" mit 8 Bildern/sek.


Junger Rehbock. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 400 mm, 1/125 sek, f 5.6, ISO 6400, Freihand

Die neu gewonnene Freiheit Dank der oben bereits erwähnten Portabilität und des hervorragenden optischen Bildstabilisators ermöglichen mir ganz neue Wege der Wildtierfotografie: die Fotopirsch. Mit meiner Canon bin ich zwar auch auf Pirsch gegangen, bis ich die Kamera aber in Position hatte (meistens mit Stativ oder Einbein) verging so viel Zeit, dass ich bei plötzlichen Begegnungen mit Wildtieren meistens leer ausging. Nicht so mit der Fuji. Diese hängt jederzeit Griffbereit an einem flexiblen Schultergurt (Sunsniper) und ist in Sekundenschnelle einsatzbereit. Ein Teil der hier gezeigten Bilder waren spontane Begegnungen und wären mit meiner Canon nicht möglich gewesen.


Waldkauz. Fujifilm X-T2 mit XF 100-400, 400 mm, 1/250 sek, f 5.6, ISO 800, Freihand

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Fuji XF 100-400 für mich persönlich eine große Bereicherung darstellt und mir neue Möglichkeiten in der Wildtierfotografie eröffnet, die zuvor gar nicht oder nur unter der Inkaufnahme größerer Mühen und Widerstände möglich waren. Ohne die Flexibilität einer Fuji X wären mir viele Bilder auf der Fotopirsch entgangen.

Ich freue mich, dass Sie den Weg zu meinem Blog gefunden haben. Dies war der erste Eintrag, zahlreiche weitere werden in regelmäßigen Abständen zu den Themen Wildfotografie, Natur und Menschen folgen. Bleiben Sie dran!


Zwei Steinböcke. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400, 100 mm, 1/250 sek, f 5.6, ISO 640, Freihand


Gams mit Zilpzalp. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400 und 1.4x, 560 mm, 1/250 sek, f 5.6, ISO 640, Freihand


Wildschwein. Fujifilm X-Pro2 mit XF 100-400 und 1.4x, 521 mm, 1/180 sek, f 8, ISO 1250, Freihand

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© 2019 by Marco Schütte | Fotografie | München

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