© 2019 by Marco Schütte | Fotografie | München

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Der Winter 2017/18 bei den Rehen im Nymphenburger Schlosspark

Aktualisiert: 29. Mai 2019


Reh am Kanalufer vor dem Nymphenburger Schloss im Novembergrau.

Der Winter 2017/18 ist Geschichte und es ist an der Zeit, einen kleinen Rückblick zu verfassen, wie es dem Rehwild im Nymphenburger Schlosspark in der kalten Jahreszeit ergangen ist.

Der Winter war geprägt durch extreme Gegensätze. Während der Januar der 6. wärmste seit dem Beginn der Wetteraufzeichnung in Deutschland war, zeigten sich der Februar und März leicht unterkühlt. In München wurden über 40 Tage mit einer geschlossenen Schneedecke gezählt, was zu besonders vielen winterlichen Bildern geführt hat. Mich als Wildtierfotograf hat es gefreut.


Der "Bock am Schwarzen Tor" in winterlicher Kulisse.

Das Rehwild im Schlosspark musste einige Schicksalsschläge hinnehmen. So wurden seit Januar 2018 bereits 6 Rehe verendete aufgefunden. Zwei davon wurden nachweislich von Hunden gerissen (die Münchner Tagespresse hat ausführlich hierüber berichtet), bei den anderen steht die Todesursache nicht fest. Untersuchungen wurden keine durchgeführt. Zwei mal wurde von einem fehlenden Kopf berichtet. Vermutlich ist die überwiegende Zahl aber an Altersschwäche oder Krankheit eingegangen. Dies würde der natürlichen Mortalitätsrate einer nicht bejagten Population entsprechen, da die Rehe im Park grundsätzlich älter werden als in unserer Kulturlandschaft außerhalb der Städte.

Die genannten Vorfälle haben aber auch ihr Gutes: die Diskussion um die Einhaltung der Leinenpflicht für Hundehalter im Park ist neu entbrannt und es soll in Zukunft verstärkt kontrolliert werden. Wobei aber ausdrücklich erwähnt werden muss, dass es sich nur um sehr wenige Hundehalter handelt, die die Vorschriften missachten. Ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt. Für das Schicksal der Rehe ist aber jeder freilaufende Hund oft einer zu viel, aus Angst bleibt manchmal nur der Sprung in den Schlosskanal, aus dem es aufgrund der steilen Wände häufig kein Entrinnen mehr gibt...

Dieser einseitig blinde Bock fiel am Faschingsdienstag wildernden Hunden zum Opfer. Er gehört zu den ältesten Böcken, die ich je fotografiert habe. Das Bild entstand einen Tag vor seinem Tod, nachdem er sich über Monate nicht blicken ließ.

Nach den Attacken wurden über eine Privatinitiative Plakate aufgehangen, um uneinsichtige Hundebesitzer auf die Leinenpflicht aufmerksam zu machen.

Insgesamt konnte ich seit Januar 2018 bereits 21 verschiedene Rehböcke bestätigen. Davon sind mir 13 aus dem Vorjahr bekannt. Wiedererkennungsmerkmale sind die Gehörnform (im Winter befindet sich das Gehörn in der alljährlichen Wachstumsphase und wird von einer Basthaut bedeckt), der Gesichtsausdruck und Risse in den Lauschern (Ohren).

Die Rehwildpopulation im Schlosspark ist ausgesprochen hoch und befindet sich wahrscheinlich an der natürlichen Belastungsgrenze. Obwohl das Rehwild Spaziergänger gewohnt ist, handelt es sich um einen freilebenden und nicht domestizierten Bestand. So kann es durchaus vorkommen, dass sich tagelang keine Rehe zeigen, da sie Meister des Versteckspielen sind.

Solange das Wegegebot beachtet wird, kommen Mensch und Tier im Schlosspark gut miteinander aus. Rehe sind Gewohnheitstiere. Alles was außerhalb der alltäglichen Norm passiert, z.B. Menschen abseits der Wege, bedeutet Stress für die Tiere und die Sichtbarkeit sinkt.

Der "Imkebock" zeigt zwei Auffälligkeiten: er trägt seit 3 Monaten einen tennisballgroßen Tumor am linken Vorderlauf. Zusätzlich weist er einen um ein paar Zentimeter verkürzten Unterkiefer aus, in der Wildbiologie ein häufiges Zeichen für Genarmut und somit Inzucht.

Der "Abnorme" von der Badenburg besitzt einen verkrüppelten und steifen linken Hinterlauf. Verletzungen von Rehböcken, aber auch Hirschen, spiegeln sich häufig in Abnormitäten im Gehörn (Geweih) wider.


Eine uralte Geiß. Markant sind die "Glubschaugen", die als Zeichen für ihr hohes Alter herhalten.


Ein Bockkitz vom Vorjahr nascht (verbeisst) frische Triebe. Übermässiger Verbiss an Kulturpflanzen wird von Grundbesitzern aus wirtschaftlichen Gründen häufig nicht toleriert. Eine maßvolle Bejagung kann hier Abhilfe schaffen und ein Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie herstellen.


Der "Kaskadenbock" lässt sich frische Fichtentrieb schmecken.


Der "Residenzbock" bevorzugt Blätter von Him- und Brombeere. Deutlich ist hier sein geschlitzter Lauscher (Ohr) zu erkennen.


Der "Bock im Löwental" sichert aus einem Buchendickicht.


Eine Geiß trotzt dem Schnee.


Der "Pagodenburgbock".


Der "Jagerbock" zusammen mir einer Geiß.


Ein Rehkitz mit einer harmlosen Verletzung neben der Schulter. Vermutlich handelt es sich um einen Kratzer, den sich das Kitz beim Durchschlüpfen durch einen Zaun zugezogen hat. Der Schlosspark ist nicht gänzlich dicht. Gerade tagsüber bleiben einige Tore offen stehen, durch die Rehwild nach außen entweichen kann. Im diesjährigen Schnee waren viele Fährten auch außerhalb des Parks zu sehen. Insbesondere in Richtung Westen und am Botanischen Garten.


Der "Eisenbahnerbock" gehört zu den scheusten Böcken im Park. Es gibt Böcke, die tolerieren Spaziergänger auf kurze Entfernung. Andere Böcke, wie dieser, springen bereits auf weite Distanz ab.

Der "Bock am Schwarzen Tor" zeigt stolz sein frisch heranwachsendes Gehörn.

Der "Hartmannshofer Bock" mit seiner weiten Gehörnauslage.

Der "Residenzbock" überrascht in diesem Jahr erneut mit einem abnormen Gehörn.

Der "Mauerbock".

Ein verendetes Bockkitz. Das Kitz wies keine Spuren von Hundebissen auf. Das Foto ist 3 Tage nach dem Fund und vermutlichen Todestag entstanden. Beutegreifer wie Fuchs, Marder, Krähe, Bussard und Co erfreuen sich am frischen Fleisch. Bereits am nächsten Tag war das Kitz komplett verspeist.

Mitte März und erneut eine Woche Schnee. Eine junge Rehgeiß scheint das nicht zu stören.

Der "Jagerbock" kurz vor dem Fegen. Ab Mitte März verfegen die Böcke ihr frisch herangewachsenes Gehörn und entledigen sich der Basthaut durch Reiben an Bäumen und Sträuchern.


Der "Alte vom Dörfchen".

Der "Bock am Schwarzen Tor" vor winterlicher Schlosskulisse. Deutlich ist zu erkennen, dass der Bock angefangen hat zu fegen. Bastfetzen hängen vom Gehörn. Es ist selten, dass sich die Rehe im Schlosspark auf den offenen Wiesen zeigen. Zumindest ist es mir erst 3 mal gelungen, Rehe vor dem Schloss im Hintergrund abzulichten...

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