• Marco Schütte

Auf der Suche nach Mittelgebirgs-Gämsen in Bayern.

Aktualisiert: 7. Juni 2019


Mittelalter Gamsbock vor Mittelgebirgs-Blockhalde.

Wer an Gämse denkt, dem kommen eigentlich die Hochlagen der Alpen in den Sinn. Das es aber auch außeralpine Gamspopulationen in Deutschland gibt, ist vielen nicht bekannt.


Im Rahmen einer fotografischen Studie über diese Lebensräume in Deutschland verschlug es mich im Frühjahr 2017 in ein kleines bayerisches Mittelgebirge nördlich der Donau.

Geologische Funde beweisen, dass Gamswild nach der Eiszeit in allen Mittelgebirgsregionen Deutschlands beheimatet war. Heute gibt es außeralpin nur noch Inselvorkommen, welche durch die Wanderlust der Gämse aber vielfach miteinander vernetzt sind. Einige dieser Vorkommen wurden von Menschenhand gegründet, d.h. die Gämse irgendwann einmal ausgesetzt. Es gibt aber genauso Populationen, die durch natürliche Zuwanderungen entstanden sind oder schon immer existiert haben.

Buchenaltholz, dessen Boden mit lockeren Steinen versetzt ist, dominiert den Lebensraum der bayerischen Mittelgebirgsgams.

Über die Entstehung der Gamsbestände nördlich der Donau gibt es unterschiedliche Meinungen. Es steht die Aussage im Raum, das Gamswild habe sich während eines besonders strengen Winters Anfang der 60er Jahres des letzten Jahrhunderts selbständig den Weg nach Norden gebahnt. Andererseits wird davon gesprochen, die Gämse wurden vor mehr als 50 Jahren aus einem Zoo ausgewildert, wobei es einige Jahre später noch einmal eine Blutaufrischung durch weitere Gämse gegeben haben soll.


Die frische Fährte einer Gams.

Außeralpin befindet sich das größte Gamswild-Vorkommen im Schwarzwald. Weitere Populationen gibt es im Oberen Donautal, am Albtrauf, in der Adelegg im Allgäu und der Sächsischen Schweiz. Da Gämse sehr wanderfreudig sind, kommt es aber immer wieder zu Sichtungen auch außerhalb dieser Gebiete, insbesondere im Alpenvorland und weiten Teilen von Baden-Württemberg.


Gämse brauchen Felswände in ihrem Lebensraum zur Feindvermeidung.

Felsüberhänge mit Weitsicht sind bevorzugte Ruheplätze der Gämse, hier zu erkennen an der zahlreichen Losung.

Die aktuelle Bestandsgröße der Gämse im Norden von Bayern ist unbekannt. Bis 2013 lebten wohl 30 bis 40 Stück nördlich der Donau. In den 60er Jahren sollen es lediglich um die 10 Stück gewesen sein. Ab 2013 wurden die Abschusszahlen dann deutlich erhöht. Nach Abschüssen von 1 bis 3 Gämsen p.a. bis 2012, wurden 2013 und 2014 insgesamt 25 Stück Gamswild erlegt. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass 18 Stück davon der nicht geschlechtsreifen Jugendklasse (Kitz oder Jährling) entstammen. Begründet wird die Entnahmen und damit einhergehende Bestandsreduktion von Seiten der Waldeigentümer mit erhöhten Verbissschäden. Gamswild ernährt sich gerne von jungen Baumtrieben. Dadurch geschädigte Bäume werden an ihrem Wachstum behindert, was wiederum geringere Erträge bei der Ernte, aber auch Erosionsschäden mit sich bringen kann.


Mittelalter Gamsbock im Altholz.

Daher ist ein gesundes Mittelmaß zwischen Populationsgröße und Schadenshöhe zu finden, um Wildpopulationen nicht an den Rand des Aussterbens zu bringen. Leider haben unsere großen heimischen Huftiere wie der Rothirsch, der Reh- als auch der Gamsbock heutzutage eine geringere Lobby als zum Beispiel der Luchs, der Wolf, oder auch viele Insektenarten. Dabei genießt gerade das Gamswild aufgrund der europäischen FFH-Richtlinien einen besonderen Schutzstatus, der allzuoft missachtete wird. Nebenbei ist die Gams auch ein Stück bayerisches sowie alpenländisches Kulturgut. Allein deshalb wäre es erstrebenswert, diese besondere Wildtierart nicht nur zu verfolgen, sondern dem interessierten Naturliebhaber auch wieder sichtbar zu machen.


Stark verbissene Fichte an den Hängen eines aufgelassenen Steinbruchs. Da sich das Gamswild aufgrund der steilen und felsigen Struktur hier am wohlsten fühlt, steigt der Verbissdruck überproportional auf diesen kleinräumigen Flächen.

Bei meinem Besuch bei den Mittelgebirgs-Gämsen konnte ich an mehreren Orten, insbesondere an felsigen Steilhängen anhand von Losung und Fährten Gamswild bestätigen. Zu sehen bekam ich auf meiner halbtägigen Tour allerdings nur einen mittelalten Bock.

Mittelalter Gamsbock im Stangenholz.


Gamsbock sichert in den Steilhang.


Buchenaltholz mit Naturverjüngung im Gamslebensraum.

Weitere Informationen über die Situation des Gamswild in Bayern gibt es auf der Internetseite der Deutschen Wildtierstiftung unter https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/gaemse-der-konflikt-in-bayern.

Mittelalter Gamsbock auf Blockhalde.


Offene Altholzbestände als Almersatz für die Gämse.


Mittelalter Gamsbock auf Blocksteinen.


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© 2019 by Marco Schütte | Fotografie | München

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